Startseite
    Frage des Tages
    Mein spannendes Leben
    IHR über MICH
    Favourite Lines
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren
 


 

http://myblog.de/walkaways

Gratis bloggen bei
myblog.de





Links
  Tara's Blog
  Make some noise!
  Silke's Blog
 
The smell of Dublin

So, nachdem ich hier auf der einen Seite Daniels Beschwerde habe, dass ich zu selten schreibe, auf der anderen Seite aber keine Lust verspuere, die gegenwaertig etwas emotional-rollercoaster-maessigen Geschehnisse in meinem Leben hier breitzutreten, werde ich heute einem vor einigen Wochen geaeussterten Wunsch nachkommen und euch durch eine olfaktorische Reise durch Dublin mitnehmen. Lasst uns beim Durchschreiten meiner Haustuer beginnen. Durch das Kuechenfenster zieht der penetrante Geruch von Ruehrei mit Wurst, den meine lieben polnischen Mitbewohner mir mit auf den Weg schicken. Ein Stueck weiter des Weges vermischt sich der Duft der verbluehenden Rosen unserer Nachbarn mit dem modrig-erdig-nassen Odour, das der Regen letzte Nacht aus dem Boden hervorgezauert hat. Er begleitet mich auf meinem Weg die Strasse hinunter, nur ab und zu von Autoabgasen und bluehenden Vorgaertenblumen uebertoent. Dann etwas undefinierbares. Kuenstlich-fremd und doch vertraut: Die Kartonagenfabrik. Weiter geht es am Kanal entlang. Zwischen geradlinigen Betonmauern verlaufender fauliger Modergeruch, angeschwollen (und leicht bereinigt) vom Regen der vergangenen Nacht. Vorbei am Kino. Fettiger Popcornduft. Ein bisschen erinnert er mich an den Geruch um die Ecke von meiner Giessener Wohnung. Nur dort ist er suess, zuckrig, karamellisiert. Hier trieft er vor Butter und salzigem Durst. Ich komme an der Bushaltestelle an. Abgaswolken ziehen an mir vorbei. Oel und Benzin. Und doch halte ich meine Nase in den Wind. Ich habe Glueck - er steht guenstig. Kakaoig geschmolzener Schokoladenduft steigt mir in die Nase. Die Cadbury-Schokoladenfabrik liegt genau gegenueber. Ich schliesse die Augen, atme tief ein, und vor meinem inneren Auge erscheint Willie Wonka (natuerlich in Gestalt von Johnny Depp, der in meinem eigenen Film in voller Pracht erstrahlt und nicht zu dem psychopatischen Creep der Hollywoodversion verschandelt wurde...), der mich, begleitet von seinen Uumpa-Woompahs (oder wie die heissen) durch seine wundersame Welt aus Schokoladenbaeumen und Fluessen von geschmolzener Braun fuehrt. Der ankommende Bus holt mich in die Wirklichkeit zurueck. Ich steige ein. Schweiss, vermischt mit schwerem Parfuem und ausgebrochenem Deo. Chips und anderes Fast-Food. Ein in die Sitzbezuege eingesunkenes olfaktorisches Tagebuch tausender ordinaerer (und weniger ordinaerer) Leben. 20 Minuten lang bleibt es mit mir. Dann, endlich, die Stadt. Smog. Vermischt mit Meergeruch und dem modrigen Wasser des Liffey. Die Ausduenstungen tausender von Menschen aller erdenklicher Kulturen vermischen sich zu einem unidentifizierbaren Stadtgeruchbrei. Es ist schwer, sich auf den Geruch zu konzentrieren. Zu viele visuelle und akustische Eindruecke hageln auf mich ein. Trotzdem gehe ich weiter, vorbei an Fish & Chips-Imbissen, polnischen Lebensmittellaeden und dem Geruch der billigen Plastikwaren der 1-Euro-Laeden. O'Connell-Street mit dem niemals endenden Abgasgestank. Henry Street - der Geruch wird etwas exklusiver, neue Klamotten, mit einer Spur des Odeurs ihrer vietnamesischen oder koreanischen Herkunft. Dann biege ich in Moore Street ab. Fisch vermischt sich mit den Ausduenstungen verfaulender Obst- und Gemuesewaren der Marktstaende. "All them Bananas there for a Eurrro" toent es - auch, wenn man das natuerlich nicht riechen kann. Den seit Jahrhunderten in dieser Strasse vorherrschenden Geruechen werden seit einigen Jahren jedoch Konkurrenz gemacht - hat sich rund um diesen Markt, wo alte irische Marktfrauen lautstark ihre Waren anpreisen, doch das Dubliner Chinatown etabliert. Jetzt vermischt sich der Dunst chinesischer Restaurants mit afrikanischen Gewuerzen und irischen Kartoffeln. Und ich muss meine Nase erstmal ignorieren, um in Ruhe einkaufen zu koennen. Man hoert (oder riecht) sich.
1.9.06 18:05
 


bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Daniel (3.9.06 18:50)
Ich bin gerührt, wirklich! Und ich habe immer gedacht, ich gehe mit der Nase voran durch die Stadt. Aber du, Maike, bist ja eine einzige NASE! Und die Synkopen im Text, wo sich meine Sinne wieder für die Länge eines Satzes entspannen dürfen, und dann geht's doch wieder los, berauschend, voll mit einer Million Bildern. Ich glaube, du wirst mir später kein einziges Dublinfoto zeigen können, auf dem ich mich der Stadt so nahe fühlen werde wie während und nach dem Lesen dieses Duftabenteuers. Vielen Dank!


Mami und Papi (10.9.06 18:38)
Deine "Geruchsführung" durch Dublin hat uns inspiriert Dir Dein Elternhaus auch mal olifaktorisch in Erinnerung zu rufen damit Du bei Deinem vielen Herumreisen den "Stallgeruch" nicht vergisst.
Beginnen wir mit dem Dachgeschoß:
Durch den Duft des Rotweinnoagerls im Glas und den Papierresten,denen der dezente Geruch einer Zartbitterschokolade entströmt, liegt noch ein Ahnen des abendlichen Fernsehkrimis in der Luft. Geht man die Treppe hinunter weht einem ein Hauch von "Axe" aus dem Badezimmer entgegen-erstaunlich, wie lange sich so ein Duft hält (Tom ist ja nun schon über 2 Wochen weg)....oder ist das Einbildung???? Durch die geöffnete Tür von Miki`s Zimmer weht der Geruch von Fliesenkleber(hochelastisch), -jaaaaaaaaa wir haben den Balkon jetzt endlich nach fast 20 Jahren gefliest!!!!!-vermischt mit den Hinterlassenschaften einer ständig streitenden Spatzenschar, die im wilden Wein an der Hauswand zuhause ist. Wenn man die Treppe herunterkommt, stolpert man nicht nur über die lang ausgestreckte und leider mitlerweile fast gehörlose Aikja- es schlägt einem auch ein stark hundelnder Geruch aus einer Mischung von Landwirtschaft, Lindach und diversen Schlammlöchern entgegen. Weiter geht`s ins "Herrenzimmer".... ein schaler, abgestandener Geruch von zahllosen, extralangen HB`s weist einem den Weg. Überlagert wird der Duft jedoch vom frischgebrühten Kaffee aus der neuen Kaffeemaschine.

Welches Parfüm würde Grenoville wohl aus dieser Melange komponieren?? Vielleicht würde er es einfach
"chez nous" nennen !!!


Maike (12.9.06 15:45)
Stimmt, den Axe-Geruch hatte ich ganz vergessen. Fast schafft er es - jetzt aus unserem Wohnzimmer stroehmend - das Wurst-Ruehrei aus der Kueche zu ueberlagern. Fragt sich bloss, was besser ist?


ohnsgqemn / Website (18.1.08 11:30)
kZb7hF djmyfpdtajrr, [url=http://shqnsmuxiyye.com/]shqnsmuxiyye[/url], [link=http://ugpgtvfmkkxh.com/]ugpgtvfmkkxh[/link], http://skiyrcttaovg.com/


wipzjfea / Website (21.1.08 13:03)
DdV9ke esqhzizrxmln, [url=http://bffhbmddkyua.com/]bffhbmddkyua[/url], [link=http://egawyynuhvys.com/]egawyynuhvys[/link], http://zfhnncddiccl.com/

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung