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Recht und Gerechtigkeit

... gerade habe ich ungefaehr 3 Seiten ueber etwas geschrieben, was mich in der letzten Woche wahnsinnig beschaeftigt hat. Es ging um einen Klienten, jemand, der mir sehr viel bedeutete, der am Dienstag sein Gerichtsurteil bekommen hat und jetzt fuer die naechsten 7 Jahre im Gefaengnis sitzen wird. Ich habe versucht, ihn zu beschreiben, euch ein Gefuehl davon zu geben, wieso er mir so wichtig war. Und immernoch ist. Aber als ich diese 3 Seiten am Ende nochmal durchlas, musste ich feststellen, dass das nicht wirklich er war, dass ich wohl noch tausend andere Seiten schreiben muesste um euch auch nur annaehernd begreiflich zu machen, was fuer ein Mensch er ist. Deswegen lasse ich es lieber.
Ich nehme an ich wollte einfach nur sagen, dass es mir verdammt schwer gefallen ist, mich von ihm zu verabschieden. Und dass mit diesem Rechtssystem irgend etwas nicht stimmt, wenn es einen Mann wie ihn fuer 7 Jahre hinter Gitter bringt. Sicher hat er etwas furchtbares getan, und natuerlich muss er dafuer bezahlen. Aber das schlimme an diesem Fall ist wohl, dass er den Grossteil seiner Strafe fuer etwas bekommen hat, was er meiner Meinung - und auch der aller anderen Leute hier, die ihn kennen - nach nie getan hat. Aber wenn man eine Jury von Leuten wie du und ich darueber entscheiden laesst, ob sie nun einem Maedchen Recht geben, dass weinend vor ihnen sitzt und von den furchtbarsten Sachen berichtet, die ihr Stiefvater ihr angetan hat, oder eben dem Stiefvater, einem 50jaehrigen Mann, der angesichts dieser Beschuldigungen voellig verstoert ist, sie bestreitet, aber zugleich auch nicht will, dass der Sache noch weiter nachgegangen wird, um seiner Stieftochter weitere Traumatisierung zu ersparen, dann ist der Ausgang dieser Entscheidung wohl immer vorprogrammiert: schuldig. Wer kann es ihnen verdenken? Jeder von uns wuerde wohl genauso reagieren.
Nur dass das eben nicht immer der Wahrheit entspricht.

Wie auch immer, ich koennte jetzt hier mein gesamtes rechtspsychologisches Wissen auspacken, ueber falsche Erinnerungen, Traumatisierung, Transferenz und der gleichen, aber das bringt ja nichts.
Fakt ist, dass er die naechsten 7 Jahre seines Lebens im Gefaengnis verbringen wird. Und ich damit irgendwie ueberhaupt nicht klarkomme. Viel weniger wahrscheinlich als er selbst, denn als er sich letzte Woche von mir verabschiedete und ich meine Traenen nicht so ganz zurueckhalten konnte, meinte er nur mit einem Laecheln, dass das schon in Ordnung waere, dass er "ready to go in" waere, dass er eben verdammt grosse scheisse gebaut haette und es einfach wichtig waere, fuer seine Stieftochter, fuer ihn selbst, fuer alle Beteiligten, ja sogar fuer das Rechtssystem und die Gesellschaft selbst, dass er dafuer bezahlt. Und da hat er ja auch Recht. Nur die Laenge der Strafe macht mich irgendwie fertig. Wenn ich denke, was in diesen 7 Jahren in meinem Leben alles passieren wird... waehrend seines einfach stillsteht...

Naja, wahrscheinlich interessiert mein Geschwafel hier sowieso niemanden, ich glaube, ich muss das nur mal fuer mich selbst loswerden. Auch wenn er etwas furchtbares getan hat, er ist trotzdem ein grossartiger Mensch. Und ich habe viel von ihm gelernt. Und werde ihn vermissen.

Punkt, Schluss, Aus.
6.10.06 17:59
 


bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


hylife / Website (6.10.06 18:04)
Wow. Ich kenne diesen Mann nicht. Ich kenne den Schreiber nicht, ich kenne das Verbrechen nicht und ich kenne diese Umstände nicht. Aber wenn ein Mann, solche Sachen sagt, bevor er 7 Jahre eingeschlossen wird, dann hat er Respekt verdient.


Birgit (8.10.06 19:34)
Doch, es interessiert jemanden! Aber was soll man in diesem Fall raten? Vielleicht kannst du Kontakt zu ihm halten?! Briefe schreiben... Es muss ja nicht oft sein, aber ab und an, damit er den Kontakt zu drauße nicht verliert!
Kopf hoch meine Süße... Drück dich!!!


Maike (10.10.06 10:17)
Tja, das mit dem Briefe schreiben ist so ne Sache... es gibt da ja leider Gottes (oder Gott sei Dank???) noch sowas wie therapeutische "Boundaries", die nicht ueberschritten werden sollten... wenn ich weiter hier arbeiten wuerde, koennte ich ihm natuerlich "im Namen der Gruppe" ab und an mal einen Brief schreiben. Aber ich fuerchte, da das nicht der Fall ist und ich ja bald wieder in Deutschland bin, waere das irgendwie "inappropriate", verstehst du? Naja, ich werd versuchen, ueber die Therapeuten hier in Kontakt zu bleiben...

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